Kleine große Schritte

 

von Jodi Picoult

Der brisante Roman erschien Ende 2017 und bietet Einblick in die vielschichtige amerikanische Gesellschaft, in der Rassismus auch heute eine Rolle spielt.

Ruth Brooks ist schwarz und Hebamme in New Haven in Connecticut und in ihrer Obhut stirbt der kleine Davis. Das neugeborene Baby ist der Sohn von Turk Bauer. Dieser, ein Rassist und stadtbekannter Nazi hatte Ruth offiziell verboten, sich um sein Kind zu kümmern. Als nun eine Komplikation eintritt, die schnelles Handeln erfordert, zögert Ruth und das Baby stirbt. Ruth wird angeklagt.

Die dritte Hauptperson dieses Romans ist Kennedy, Ruths Anwältin.
Was im nun folgenden Gerichtsprozess zu Tage tritt ist spannend und erschreckend zugleich.

Besonders eindringlich wird die Geschichte dadurch, dass Jodi Picoult alle drei Hauptpersonen aus ihrer Sicht erzählen lässt.
So vergehen die fast 600 Seiten wie im Fluge.


Der Aussetzer oder die Resonanz einer Schuld

Cover des Buches "Der Ausraster" von Bert Vogt.

von Beat Vogt erschienen bei edition bücherlese

Es begann mit einem Aussetzer. Etwas in Chris setzte aus. Die Kontrolle, die Bremse, der Anstand?
Ein wahres Ungeheuer bricht aus ihm hervor und dann ist nichts mehr wie es war. Chris prügelt einen jungen Mann zum Behinderten.

Dann folgt die Resonanz, das Mitschwingen aller Dinge und Menschen, die sein vorheriges Leben ausmachten.
Und dann die Lüge, erfunden um Chris und Mayas Tochter zu schützen, um Freunde und Verwandte nicht zu verlieren.
Aber hält diese Lüge die Resonanzwellen aus?

Verbunden wird diese Familiengeschichte sehr klug mit der Frage nach der Gleichheit vor dem Gesetz.
Eine Geschichte, der man sich nicht entziehen kann. Sie beschäftigt den Leser weit über die Lektüre hinaus.

 


Das Lied von Eis und Feuer: Die Herren von Winterfell

von George R.R. Martin

Der erste Teil des Fantasy- Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ mit dem Titel „Die Herren von Winterfell“ von George R.R. Martin handelt von der Familie um Lord Eddard Stark, die in einem mittelalterlichen Königreich, genannt die „Sieben Königslande“ auf der Burg Winterfell lebt, jedoch durch unglückliche Zufälle und Intrigen über das ganze Königreich verteilt wird.
Lord Eddard Stark, genannt Ned, lebt gemeinsam mit seiner Frau Catelyn, ihren Kindern Robb, Brandon, genannt Bram, Rickon, Sansa und Arya, sowie seinem Bastardsohn John Schnee auf der Burg Winterfell, die im kalten Norden der Sieben Königslande liegt. Der Leser merkt schnell, dass Ned ein gerechter, ehrlicher Mann ist, der immer im Sinne seiner Untergebenen handelt. Als er schließlich von seinem alten Freund, dem jetzigen König Robert, gebeten wird die „Rechte Hand des Königs“ zu werden, also sein engster Berater und Stellvertreter, nimmt Ned nur sehr widerwillig das Angebot an. Noch während sie auf Winterfell sind wird ein Mordanschlag auf seinen Sohn Bram ausgeübt, der jedoch scheitert. Ohne der Sache weiter nachgehen zu können muss Ned die Burg verlassen um gemeinsam mit seinen Töchtern Sansa, der Verlobten des Thronfolgers, und Arya in den Süden zu reisen um dort gemeinsam auf der Burg des Königs in Königsmund zu leben, und zu herrschen. Immer wieder sucht er nach Hinweisen darauf, wie sein Vorgänger so plötzlich starb und wie das alles mit Bram zusammenhängen könnte. Währenddessen leben Neds Frau, sowie Robb, Rickon und Bram weiterhin auf Winterfell. Der nur 14-jährige Robb muss die Geschäfte seines Vaters auf der Burg übernehmen und an seiner Stelle über die Probleme der Untertanen richten, zuerst mit Hilfe von Catelyn. Doch als diese schließlich einen Hinweis auf die Strippenzieher hinter dem Mordanschlag auf Bram findet verlässt sie die Burg um diesen nachzugehen. Bald schon wird klar, dass das Königreich von einem schwachen König regiert wird, der sich lieber um seine Feste kümmert als um sein Reich und, dass während langsam klar wird, dass die Mauern und die „Nachtwache“, zu der John Schnee nun gehört und, die das Königreich von Gefahren von Außen schützen soll, nicht stark genug sind um ihren Aufgaben nachzugehen, die Feinde der Krone inner- und außerhalb immer stärker und gefährlicher werden und es nur eine Frage der Zeit ist bis nicht nur Eddard Stark und seine Familie, sondern die gesamten „Sieben Königslande“ in großer Gefahr schweben.

Der erste Teil der großen Saga, die in der Serie „Game of Thrones“ verfilmt wurde ist meiner Meinung nach genau das: ein Anfang. Im Original soll die Reihe später aus sieben Büchern bestehen, von denen sechs bereits geschrieben wurden. Diese wurden im Deutschen noch einmal in jeweils zwei Teile geteilt, sodass am Ende statt der sieben Teile wie im Englischen 14 Teile mit jeweils um die 500 Seiten die gesamte Reihe ausmachen. Dementsprechend lang ist natürlich auch die Einführung in diese fantastische Welt. Im Grunde ist der gesamte erste Band eine Einführung um die Personen und die Art und Weise wie dieses Königreich aufgebaut ist zu verstehen. Der Sprachstil ist zwar der mittelalterlichen Umgebung angepasst, jedoch gut verständlich, wohingegen die Namen der Charaktere manchmal etwas verwirrend sind, was allerdings vor allem daran liegt, dass es sich um eine so große Menge an Personen handelt. 
Auch wenn der Leser schon erahnen kann, dass sich in den folgenden Bänden noch so einiges tun wird, auch im übernatürlichen Bereich, so ist „Die Herren von Winterfell“ doch noch sehr ruhig und es wird hauptsächlich mit Andeutungen auf das Kommende gearbeitet. Obwohl der erste Band noch recht ruhig ist spürt man die aufkommende Spannung und hat eigentlich immer Lust zum Weiterlesen. Wer jedoch an ausufernden Dialogen interessiert ist wird eher enttäuscht sein, dafür sind die Stammbäume der Familien so komplex und gut durchdacht, dass man George R.R. Martin sofort vergibt, dass er, obwohl der erste Teil auf Englisch bereits 1996 erschien, noch immer am finalen siebten Band schreibt und so seinen Lesern doch sehr viel Geduld abfordert. Martin schreibt neutral, wobei er in jedem Kapitel immer einem anderen Charakter folgt und sich so der Blickwinkel im Laufe des Buches immer wieder ändert und zwischen Feinden und Freunden wechselt. Ich würde dieses Buch erst Lesern ab 16 Jahren empfehlen und in erster Linie Lesern, die Zeit haben, da es wie bereits erwähnt sehr viele Bücher sind, die zu dieser Reihe gehören und die Geschichte, wie man schon im ersten Teil deutlich erkennen kann, sehr komplex und mit vielen parallel verlaufenden Handlungssträngen sein wird. Außerdem sollten große Pausen zwischen den einzelnen Bänden vermieden werden um die Einzelheiten noch im Gedächtnis zu haben. Wer mittelalterliche, fantasievolle Geschichten mit vielen Intrigen rund um Macht und Herrschaft mag wird dieses Fantasy- Epos, das immer wieder auf Bestsellerlisten weltweit zu finden ist, lieben.