1. Hälfte 15. Jahrhundert

Der sogenannte "Kapitelsaal" im Langen Haus in Rehna erstreckt sich an der nördlichen Seite fast über die gesamte Breite des Gebäudes. Der Raum ist ein in sich geschlossener Bauteil aus der ersten Hälfte des 15.Jahrhunderts. Er war Bestandteil der Klosteranlage und hatte an seiner Nord Seite direkten Anschluss zum Kreuzgang. Seiner Lage im Klosterkomplex nach, war der Saal das Refektorium des Klosters. Die traditionelle Bezeichnung "Kapitelsaal" wird jedoch beibehalten.

Der Kapitelsaal ist eine gewölbte Halle aus zwei Schiffen. Die Joche der Kreuzrippengewölbe sind durch zwei Pfeiler in der Raummitte von einander getrennt. Die fein profilierten Gewölberippen sitzen in den Wänden auf plastisch ausgebildeten Konsolsteinen, die den Zyklus der Klugen und Törichten Jungfrauen darstellen. Einen plastischen Schmuck des Raumes bilden außerdem die Reliefs der Gewölbeschlusssteine. Die Ost- und Westwände weisen große Öffnungen auf. Diese sind im Osten vermauert, im Westen befinden sich seit der Erbauungszeit die Lichtöffnungen.

Über die Nutzung des Raumes nach der Reformation ist wenig bekannt. Im 18.Jahrhundert wurde das jetzt noch vorhandene Dachgeschoss mit Giebel nach Norden errichtet. Etwa in dieser Zeit wird der an den Kapitelsaal anschließende Teil des Kreuzganges abgebrochen worden sein. Im 19.Jahrhundert diente der Raum als Wagenremise. Nach 1945 bis 1961 fanden hier die Gottesdienste der katholischen Gemeinde statt. Seit 1961 bis Mai 1994 befand sich im Kapitelsaal die Turnhalle der Schule (Klassen 1 bis 4). In dieser Zeit fand eine kontinuierliche Beheizung des Raumes mit Nachtspeicheröfen statt.

Seit 1998 wird das Lange Haus vom Amt Rehna genutzt, der Kapitelsaal ist davon jedoch nicht betroffen. 

Die Untersuchung des Kapitelsaales durch Restauratoren und Bauphysiker erfolgt hinsichtlich seiner Baugeschichte und historischen Farbfassungen sowie der komplexen baulichen Schäden durch Feuchtigkeit und Salze.

Erheblich Mittel des Denkmalschutzes und Eigenmittel der Stadt Rehna sind in die Restoration des Kapitelsaales bereits eingeflossen. Die Nutzung ist noch eingeschränkt bis die Belüftung und Beheizung gesichert ist. 

Für das Jahr 2002 ist bereits ein Förderantrag gestellt, der die Finanzierung der Lüftung und Beheizung dient. Die Stadt Rehna hat den notwendigen Eigenanteil von 50% bereits in den Haushalt 2002 eingestellt.

Quelle: "Untersuchung zur Baugeschichte, Farbigkeit und notwendige Restauririerungsmaßnahmen des Kapitelsaals" Restoratorengemeinschaft Seiffert/ Najewitz


Untersuchung der Bauphasen

  • 2. Viertel 15.Jh. Kapitelsaal errichtet (Schlie; S. ) Die Datierung erfolgt anhand der Wappen auf den
    Gewölbeschlußsteinen. Damit überein stimmen die stilistischen Merkmale des Zyklus der
    Klugen und der Törichten Jungfrauen. 
    Diese Datierung wird im Restaurierungsbericht übernommen.
  • Ende 15.Jh. Veränderungen in der Ostwand (aA, aB) Die Wandöffnungen wurden entweder nachträglich in eine vorher geschlossene Mauer gebracht. Eine andere Erklärung für die Störungen im Fugenbild auf Wand aB wäre eine Verkleinerung der bestehenden Öffnung. Veränderungen in der Südwand (bC) Das Mauerwerk weist Absätze und Verformungen auf. Der Mörtel ist mittelalterlich, ähnelt dem der Erbauungszeit. Die zweite Farbfassung des Raumes mit Rankenmalereien auf den Wandflächen entsteht.
  • 16.Jh. Zur bestehenden mittelalterlichen Fassung werden in die Gewölbezwickel Malereien hinzugefügt.
  • 17.Jh. Kalkanstrich, vermutlich mit farbigen Akzenten (siehe
    Befunde Konsole W2 - schwarz auf kalk)
  • 18.Jh. Der Abbruch des Kreuzganges steht vermutlich im Zusammenhang mit der Errichtung des Dachgeschosses über dem Kapitelsaal. Vor der Westwand wird eine neue Fassade mit zwei Toren errichtet. Das Portal in der Nordwand (dK) wird vermauert. (Abb.bei Schlie S.444) In der Südwand (bE) entsteht eine Öffnung mit Rundbogen. Es erfolgte eine Ausmalung mit Kalk und roten Pfeilbändern auf den Rippen. über die Nutzung des Raumes ist nichts bekannt.
  • 19.Jh.- um 1878 . Baumaßnahmen in den im Osten und Süden anschließenden Gebäuden zur Errichtung von Amtsgericht und Gefängnis. Im Kapitelsaal werden die Wandöffnungen in der Ostwand (a) vermauert. In Wand bD wird eine Tür eingesetzt. Schlie beschreibt die Nutzung in dieser Zeit als Schuppen. Die Wandmalereien vom Ende des 15.Jh. hatten sich bereits zum großen Teil von selbst freigelegt. (Beschreibung durch Lisch)
  • 1945 Nutzung durch die katholische Gemeinde für Gottesdienste. Die Ostwand a, die Wände bE, cF, cG werden verputzt, Elektroinstallation, Ofen in Wand bC, Windfangtür vor der Wand cF, Fenster in Wand dK verändert.
  • 1961-94 Nutzung als Turnhalle der Grundschule, Sprossenwände und Regale werden eingebaut. Der Raum wird mit Kalk und Leimfarbe gestrichen, später nochmals mit Leimfarben.



Quelle: "Untersuchung zur Baugeschichte, Farbigkeit und notwendige Restauririerungsmaßnahmen des Kapitelsaals" Restoratorengemeinschaft Seiffert/ Najewitz 


Malereien

Der Kapitelsaal im Langen Haus in Rehna weist zwei mittelalterliche Ausmalungen auf. Die Originalfassung aus der 1.Hälfte des 15.Jh. besteht aus farbigen Rippen, bemalten Konsolen, Schlußsteinen und Kapitellen. Sie ist zu etwa 60% erhalten. Bei der im gleichen Umfang erhaltenen zweiten Fassung Ende des 15.Jh. erfolgte eine Ausmalung der Wände mit Rankenwerk und eine Neufassung der Gewölberippen, Konsol - und Schlußsteine. In den Gewölbeflächen befinden sich Reste einer Bemalung aus dem 16.Jh.

Zwei weitere Kalkanstriche des Raumes mit farbigen Akzenten erfolgten im 17. und 18.Jh. Im 18.Jh. gab es umfangreiche Baumaßnahmen, bei denen vor die westliche Außenfassade eine neue Wand gesetzt und die Fensteröffnungen verändert wurden. Weitere Bauphasen gab es um 1878 und nach 1945.

Verschiedene Schäden am Bauwerk und den Farbfassungen erfordern bauliche Maßnahmen sowie Konservierungs - und Restaurierungsarbeiten. Feuchtigkeit und lösliche Salze im Mauerwerk haben im Laufe von Jahrhunderten zu umfangreichen Substanzverlusten an Mauerwerk, Bauplastiken (Konsolsteinen) und der Malerei geführt. Diese Prozesse sind auch gegenwärtig aktiv und bedrohen die vorhandene Bausubstanz und Malerei. Ein Ziel der Sanierung muß es sein, durch Messungen und Beobachtungen im Raum geeignete Maßnahmen zur Regulierung des Raumklimas zu finden. Die Freilegung der 2. mittelalterlichen Ausmalung, die Konservierung der Malschichten, sowie notwendige Ergänzungen der Fassung sind die vorgeschlagenen Restaurierungsschritte. Daneben muß eine Entsalzung der Wände und Konsolsteine sowie eine teilweise Festigung der Konsolsteine durchgeführt werden.

Quelle: "Untersuchung zur Baugeschichte, Farbigkeit und notwendige Restauririerungsmaßnahmen des Kapitelsaals" Restoratorengemeinschaft Seiffert/ Najewitz